[ 24. 05. 2004 ]
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Lentzeallee 94
14195 Berlin
Heinrich von Kleist - Über die allmähliche Verfertigung des Gedankens beim Reden.
Dieser Aufforderung Kleists scheint in der Lentzeallee in Berlin-Dahlem ein Gebäude
gewidmet zu sein. Schon von außen, aber im Inneren noch intensiver stellt sich eine
ungewöhnliche Architektur vor, die neugierig macht und von Beginn eine offene freundliche
Atmosphäre vermittelt.
Der Besucher möchte mehr erfahren über diese spürbar gelungene Symbiose zwischen
Bauwerk und Nutzer.
Das Architektenteam Fehling&Gogel gewann 1964 den Wettbewerb zum Bau des
Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung in Berlin. Keine bessere Aufgabe wäre
für diese Architekten auszudenken gewesen, die schon zuvor mit Bauten für die Industrie,
die Kirche, sowie die Interbau´57 für Aufsehen gesorgt hatten. Hier trafen die Architekten
nicht nur auf eine Bauaufgabe (Lehren / Lernen), die ihrer Bau- und Lebensphilosophie entsprach,
sondern auch auf einen Bauherrn, in Persona von Hellmut Becker, den ersten Leiter des MPIB,
der für sie Gesprächs- und Sparringspartner war, um das Projekt zum Leben zu bringen. Zusammen
mit ihm entwarfen sie ein maßgeschneidertes Gewand für eine sich entwickelnde Wissenschaft, das
bis heute anpassungs- und erweiterungsfähig geblieben ist.
Das MPIB ist ein Bewegungsraum. Vorbilder lassen sich in der Klosterarchitektur finden, wo das Spiel unterschiedlich großer Räume mit den individuellen und kollektiven Beschäftigungen der Benutzer korrespondiert. Zelle, Kapitelsaal, Refektorium, Kreuzgang und Paradiesgarten haben ihre Entsprechungen im MPIB. Den Mitarbeitern und Gästen stehen angemessen gestaltete Räume für Kontemplation und Kommunikation zur Verfügung. Die Räume geben und fordern gleichzeitig. In den "Zellen" findet die wissenschaftliche Arbeit statt. Sie ist zu den ruhigen Gartenhöfen orientiert. In den "Köpfen" tauschen sich die Arbeitsgruppen aus. Im Foyer, dem überdachten "Forum", begegnen sich die Funktionen. Besucher werden empfangen, Pausengespräche bei Kongressen geführt, hier kreuzen sich die Wege der Mitarbeiter und Gäste. Das Leben im Inneren dreht sich um diesen Punkt. Mit seiner Bewegung löst der Mensch die Bewegung des architektonischen Raumes aus. Der heutige Betrieb zeigt das gelungene Zusammenwirken von Raum und Arbeit.
Lernt man dieses Institut, seine Mitarbeiter und das Bauwerk kennen, so möchte man den Kleistschen Titel erweitern, zu:
Über die allmähliche Verfertigung des Gedankens beim Gehen.