[ 24. 05. 2004 ]
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Mit diesem Titel stellte Barnett Newman im
Jahre1967 ein Bild vor, das das Image der Farbe nicht nur in der Architektur charakterisiert.
Das Erschrecken vor der Farbe in der Architektur ist ein altes Phänomen.
In der Zeit, um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bezogen sich die Regeln
der Ästhetik auf die Antike. Proportions- und andere Gestaltungsregeln wurden von den
Werken der Griechen und Römer abgeleitet. Deshalb lösten Archäologischen Funde, die
eine farbige Fassung hellenischer Gebäude und Skulptur bewiesen einen heftigen Streit
unter den verschiedenen Richtungen der Architekturpraktikern und -theoretikern aus.
Der Titel meines Vortrages "Die Polychromie der Architektur" erinnert an eine Streitschrift,
die der Architekt Gottfried Semper 1851 veröffentlichte. Sie ist Teil seines Buches
"Die Vier Elemente der Baukunst".
Der normalsichtige Mensch kann 100.000 - eine Million Farbnuancen unterscheiden.
Eine Fähigkeit, die kaum genutzt wird. Dabei ist das Farbensehen eine von vier
wesentlichen Funktionen des Sehens -Unterscheidung von Kontrasten, Konturen,
Bewegungen und Farbensehen. Zäpfchen für Farbe, Stäbchen Hell/Dunkel.
Die Farbe von Gegenständen resultiert aus den reflektierten Anteilen des Lichtes.
Erscheint ein Gegenstand rot, so werden alle Anteile des Lichtes bis auf die roten
absorbiert. Bei weiß erscheinden Flächen wird alles Licht reflektiert. Bei schwarz
erscheinenden Objekten wird alles Licht absorbiert. Bei der Absorbtion wird die
Energie des Lichtes in Wärmen umgesetzt. Deshalb ist scharz auch eine relativ seltene
Farbe für Fassaden, weil diese sich zu stark erwärmen und Spannungen im Material
aufgebaut werden.
Die Wahrnehmung von Farbe unterliegt Gesetzen jenseits von Geschmack und Mode.
Da Fliegen das ultraviolette Spektrum meiden, wurde beispielsweisedie Farbe
Blau zum Schutz von Häusern und speziell Speisekammern eingesetzt.
Farbe kann Raumwirkungen verstärken oder abmildern. Besonders beeindruckende
Verwendung von Farbe kann man in Südamerika bestaunen.
Farbige Fassung war immer nur mit den zur Verfügung stehenden Materialien möglich.
Deshalb sind die ersten Gestaltungen mit Erdpigmenten und Harzen oder Blut als
Bindemittel erstellt worden. Die Haltbarkeit war erstaunlich groß. Der heutige
Publikumsverkehr und die damit verbundene Feuchtigkeit gefährdete die Werke aber
so sehr, daß nur noch Kopien besichtigt werden können.
Eine wichtige Aufgabe des Farbeinsatzes ist sicherlich die Kreation von Atmosphären.
Dazu gibt es ganze Musterbücher, die Farbkombinationen für bestimmte Stimmungen
vorschlagen. Ich möchte allerdings vier Bereiche nennen, aus denen mehr Erkenntnis
zu ziehen ist: Situation, Material, Theater und Malerei.